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Ökoverbände mit deutlichen Zuwächsen
Der verbandsgebundene Ökolandbau bendet sich weiter auf Wachstumskurs. Wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) im Vorfeld der Grünen Woche am vergangenen Mittwoch in Berlin mitteilte, nahm die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe, die zugleich Mitglied in einem der neun deutschen Ökoverbände sind, im Jahr 2009 um 6 % auf 11.030 zu. Im Jahr davor hatte der Zuwachs 4,8 % betragen. Ihre Anbauäche stieg um gut 5,2 % auf rund 660.000 ha.
Verbandsbetriebe im Aufwind
Größter Verband ist nach wie vor Bioland mit nunmehr 5.233 Betrieben und einer Gesamtäche von rund 244.000 ha. Im Hinblick auf die Fläche rangiert dahinter Biopark mit gut 138 000 ha. Sie verteilen sich allerdings nur auf 647 fast ausschließlich große Betriebe im Nordosten Deutschlands. Naturland konnte seine Flächen auf gut 105.000 ha ausdehnen, die Zahl seiner Betriebe auf etwas mehr als 2.200. Knapp 1.400 landwirtschaftliche Betriebe sind Mitglied bei Demeter; ihre Gesamtäche liegt bei rund 64.250 ha. Dahinter folgen mit jeweils gut 30.000 ha Biokreis mit Schwerpunkt in Bayern sowie der vorrangig in Sachsen und Thüringen vertretene Anbauverband Gäa.
Der Ökologische Landbau in Deutschland |
||||||
01.01.2009 und 2010 |
||||||
Zahl der Betriebe |
Fläche, in ha |
|||||
| Anbauverbände | 2009 |
2010 |
2009: 10 |
2009 |
2010 |
2009: 10 in v.H. |
| Biokreis | 726 |
810 |
+ 11,5 |
29.057 |
33.433 |
+ 15,1 |
| Bioland | 4.967 |
5.233 |
+ 5,3 |
243.966 |
257.019 |
+ 5,4 |
| Biopark | 659 |
647 |
- 1,8 |
139.600 |
138.167 |
- 1,0 |
| Demeter | 1.341 |
1.388 |
+ 3,5 |
60.365 |
64.253 |
+ 6,4 |
| Ecoland | 29 |
29 |
+/- 0,0 |
1.886 |
2.048 |
+ 8,6 |
| Ecovin | 197 |
210 |
+ 6,6 |
1.150 |
1.307 |
+13,7 |
| Gäa | 325 |
337 |
+ 3,7 |
31.092 |
32.588 |
+ 4,8 |
| Naturland | 2.005 |
2.214 |
+ 10,4 |
93.964 |
105.316 |
+ 12,1 |
| Verbund Ökohöfe | 161 |
162 |
+ 0,6 |
19.958 |
19.208 |
- 3,8 |
| Gesamt | 10.410 |
11.030 |
+ 6,0 |
621.038 |
659.339 |
+ 6,2 |
Fachhandel verzeichnet Zuwächse
Neben den Ökoverbänden verzeichnet auch der Fachhandel Zuwächse. Laut BÖLW wuchs der Fachhandel um 4 % und konnte damit seinen Anteil am gesamten Biomarkt erhöhen. Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW, bezeichnete den verbandsgebundenen Ökolandbau und den Biofachhandel als „die tragenden Säulen des Biomarktes“, die nach wie vor ein stabiles Wachstum aufwiesen.
Nachfrage nach regionalen Biolebensmitteln
Prinz zu Löwenstein führt die Entwicklung auf ein zunehmendes Bedürfnis der Kunden nach regionalen, authentischen Biolebensmitteln von deutschen Anbauverbänden zurück. BÖLW Vorstandskollege Götz Rehn bescheinigt daher dem Biofachhandel noch ein großes Wachstumspotential. Die Kunden schätzten das attraktive Biosortiment und die kompetente Beratung im Biofachhandel.
Innerhalb der Fachhandelsgeschäfte gehe der Trend zu Biosupermärkten mit entsprechend breitem Sortiment. Demgegenüber müssten sich kleinere Geschäfte entweder vergrößern, spezialisieren oder aufgeben. So sei die Zahl der Fachgeschäfte mit mehr als 300 qm Verkaufs äche um 31 gestiegen; die Verkaufsäche habe insgesamt um etwa 15.000 qm zugenommen.
Stagnation im Gesamtbiomarkt
Während sich der Fachhandel positiv entwickelte, stagnierte der Umsatz des gesamten Biomarktes oder war sogar leicht rückläug, so der BÖLW unter Berufung auf Schätzungen der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI). Danach hatten vor allem der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und besonders die Discounter Einbußen beim Bioumsatz zu verzeichnen. Die Gründe sieht der zuständige AMI-Experte Hans-Christoph Behr in Preisrückgängen sowie Sortimentsreduzierungen bei Discountern, die sich aufgrund von Fusionen ergeben hätten. Dies habe zu einem geringeren Warenangebot in den betroffenen Läden geführt.
Preissenkungen Ziel verfehlt
Gezielte Preissenkungen der Discounter hätten nicht den gewünschten Effekt eines höheren Mengenabsatzes gehabt. Im Vergleich zum gesamten Lebensmittelmarkt könne sich der Biomarkt jedoch insgesamt gut behaupten. Während der Umsatz des Gesamtlebensmittelmarktes im Jahr 2009 um 2,4 % abgenommen habe, sei der Rückgang im Biomarkt deutlich geringer. Damit habe der Biomarkt seinen Anteil am Gesamtmarkt weiter ausbauen können. Aufgrund insgesamt rückläuger Preise sei der Mengenabsatz von Bioprodukten auch im Jahr 2009 weiter gestiegen.
Verbraucher wollen Nachhaltigkeit
Joachim Weckmann, Vorstand der Assoziation Ökologischer Lebensmittelhersteller (AoeL), erklärte, „dass sich in den meisten Märkten ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Rohwarenangebot und Produktabsatz entwickelt hat“. Anbau und Nachfrage seien im Jahr 2009 gemeinsam auf einem gesunden Niveau gewachsen. Weckmann: „Die anhaltend wachsende Nachfrage nach Bioprodukten in einer wirtschaftlichen Krisensituation zeigt, dass die Verbraucher Wert auf Produkte von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen legen.“ Dass Biounternehmen Spitzenbetriebe nachhaltigen Wirtschaftens seien, zeigten zahlreiche Auszeichnungen im Jahr 2009. Neben Vorreiterrollen beim Umwelt- und Klimaschutz ergreife eine Reihe von Unternehmen auch Initiative bei Projekten regionaler und fairer Vermarktung.
Quelle: Agra-Europe (AgE) 3/10,vom 18. Januar 2010
