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Schwankungen bei Protein- und Harnstoffwerten - Fütterung anpassen!
In den letzten beiden Wintern (08/09 und 09/10) traten und treten ungewöhnlich häufig niedrige Harnstoffwerte auf. Nach Weideauftrieb im Frühjahr 09 wurden vorübergehend sehr hohe Werte erfasst. Aufgrund aktuell niedriger Proteingehalte in Gras- und Kleegrassilagen ist mit Extremwerten bis ins Frühjahr 2010 zu rechnen.
Die Ursachen für Extremwerte wurden in den Regionaltreffen im Herbst diskutiert. Vielen Landwirten war im Rückblick nicht mehr bewusst, wie häufig in ihrem Betrieb die Harnstoffwerte niedrig bis sehr niedrig ausgefallen sind. Betroffen vom extremen Verlauf waren Betriebe aus fast allen Regionen. Im Folgenden soll das Wesentliche auch für Betriebe, die nicht an den Regionaltreffen teilnahmen, dargestellt werden.
Rückblick zum Verlauf der Milch-Harnstoffwerte
Im Winter 08/09 wurde in vielen Betrieben häufiger als in den Vorjahren niedrige Milch-Harnstoffwerte gemessen. In 32 % der Betriebe wurden mindestens 100 Tage lang Werte von weniger als 150 mg pro l Milch gemessen (Auswertung von Tankmilch, beprobt im Abstand von 2 bis 3 Tagen). In den vorhergehenden vier Jahren gab es diese niedrigen Werte im Mittel der Jahre nur bei 10 % der Betriebe und in den Vorjahren hat es fast immer die gleichen Betriebe getroffen. Im Winter 08/09 traf es auch Betriebe, die bislang nur selten niedrige Harnstoffwerte hatten.
Zu Weidebeginn Anstieg der Harnstoffwerte
Nach Weideauftrieb sind die Harnstoffwerte fast überall angestiegen. In einigen Betrieben sind sie vorübergehend deutlich über 300, vereinzelt sogar auf bis über 450 mg pro l Milch gestiegen. Derart hohe Werte werden im ökologischen Landbau auch bei Weidegang zu dieser Zeit normalerweise nicht gemessen. Anfang Mai sanken die Werte in den meisten Betrieben dann wieder auf mittleres Niveau. Im Laufe des Sommers stiegen die Messwerte wie erwartet wieder an. Derzeit haben etwa 20 % der Betriebe Harnstoffwerte von unter 150 mg pro l Milch.
Gründe für die häufig aufgetretenen Extreme
In 76 % der Betriebe ließen sich die Gründe für niedrige Harnstoffwerte im Winter 08/09 nachvollziehen. Da 58 % der Betriebe deutlich proteinärmere Silagen vom Grünland und Kleegras geerntet hatten. Die Rohproteingehalte lagen trotz des frühen bis mittleren Schnitttermins unter 13 %, teils sogar unter 10 %. 26 % der Betriebe setzten im Vergleich zu den Vorjahren weniger proteinreiches Kraftfutter bzw. Milchleistungsfutter oder Getreide ein. 21 % der Betriebe verfütterten deutlich mehr Silomais als in den Vorjahren.
Betriebe, die im Winter 08/09 proteinreiches Kraftfutter zum Ausgleich des proteinarmen Grobfutters zugaben und dies bis zum Austrieb noch nicht aufgebraucht hatten, verfütterten dies auch noch einige Zeit nach Weidebeginn. Das gehaltvolle Weidefutter führte zu einem Proteinüberangebot. Hohe Harnstoffwerte in der Milch waren die Folge.
Die niedrigen Harnstoffwerte dieses Winters sind auf niedrige Proteingehalte der Silagen zurück zu führen. Im Vergleich zum langjährigen Mittel (Ernten 1998 – 2008) liegen die Werte um etwa 1 % niedriger. Einen vergleichbaren Trend gibt es auch im konventionellen Landbau.
Folgen der Extremwerte
Betriebe, die 08/09 erstmals sehr häufig niedrige Harnstoffwerte (im Mittel 135 Tage lang) hatten, erzielten in dem Jahr eine um etwa 200 kg ECM niedrigere Jahresmilchleistung als in den meisten Vorjahren. Sie erreichen damit das Leistungsniveau der Betriebe, die auch schon in den vergangenen Jahren über längere Zeit (im Mittel etwa 150 Tage) niedrige Harnstoffwerte von unter 150 mg pro l Milch hatten und das bei vergleichbarer Gesamtkraftfuttermenge.
Die Auswirkungen auf die Gesundheit müssen längerfristig beobachtet werden. Eine hohe Nutzungsdauer (5,1 Jahre) mit relativ gesunden Eutern bei wiederholt über einen längeren Zeitraum niedrigen Harnstoffwerten, lässt die Vermutung zu, dass die Auswirkungen nicht gravierend sein müssen.
Empfehlung für die Praxis
Auch wenn Extremwerte nicht zwangsläufig zu Gesundheitsproblemen führen, so sollten sie dennoch vermieden werden. Hierzu sollten erntenah Futteranalysen vorliegen, die bereits frühzeitig den gezielten Futterzukauf ermöglichen. Die Milchkontrolldaten erlauben zwar auch später Rückschlüsse auf die Protein- und Energieversorgung, aber dann sind die bedarfsergänzenden Futtermittel nicht mehr so preiswert zuzukaufen.
Ausblick
Auch im Frühjahr 2010 ist in einigen Weidebetrieben mit niedrigen Harnstoff werten zu rechnen. Durch geringe Proteingehalte der Wintersilagen ergänzt mit proteinreichem Kraftfutter, das bis in die Weideperiode hinein verfüttert wird, sind zumindest vorübergehend hohe Harnstoffwerte zu erwarten.
Leistung und Gesundheit der Milchkühe werden weiter beobachtet.
Quelle und Ansprechpartner: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251-2376-594, E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de
