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Mastküken am Markt gefragt
In der Dingdener Heide zwischen Bocholt und Dingden liegt der Bioland-Hof der Familie Grütter. Der Betrieb, welcher zunächst lange Zeit neben dem Ackerbau Schweinemast und Geflügelhaltung betrieb, hat sich in der Tierhaltung mittlerweile spezialisiert. Die Schweinehaltung wurde aufgegeben, der Betriebszweig Geflügel hingegen wuchs stetig.
Legehennenhaltung als Einstieg
Im Jahr 2002 war Berthold Grütter in die Bio-Legehennenhaltung eingestiegen, um sich ein zusätzliches Standbein aufzubauen. Ein ehemaliger Schweinestall wurde zu diesem Zweck umgebaut und eingerichtet. In den folgenden 5 Jahren produzierten hier 900 Legehennen Eier für den eigenen Bioladen, überschüssige Ware ging an den Großhandel. Die geringeren Preise, die bei der Vermarktung an den Großhandel erzielt wurden, bewogen B. Grütter, über eine Veränderung in eine andere Richtung nachzudenken.
Hähnchenmast - ein weiteres Standbein
2004 war er zusätzlich in die Bio-Masthähnchenhaltung eingestiegen, zu diesem Zweck hatte er in einen Mobilstall der Firma Wördekemper Kollenberg investiert und zusätzlich in einem weiteren Altgebäude Möglichkeiten für die Hähnchenmast geschaffen. Im regelmäßigen Rhythmus wurden am Hof alle 3 Wochen 1.000 Eintagsküken eingestallt und auf insgesamt 4.000 Mastplätzen bis zur 12. Lebenswoche gemästet. Vermarktet wurden die Tiere an „Thönes Natur“ in Wachtendonk.
Die regelmäßige Belieferung durch geeignete Mastküken der Bioland-Brüterei von Gregor Overmeyer in Hopsten-Halverde gestaltete sich mitunter schwierig, nicht immer deckte die Kapazität Overmeyers eigener Elterntierherde den Bedarf am Markt ab. In dem Fall mussten Bruteier zugekauft werden – passendes Bruteiermaterial zu finden war teilweise nicht unproblematisch.
Neuer Weg mit geeignetem Konzept
In Zusammenarbeit mit G. Overmeyer wurde über ein geeignetes Konzept nachgedacht und B. Grütter entschied sich im Jahr 2008, aus der Legehennenhaltung aus- und in die Mastelterntierhaltung einzusteigen.
800 Hennen der Linie Hubbard ISA JA 57 wurden mit 100 Hähnen der Linie Hubbard ISA I 77 eingestallt. Das Endprodukt dieser beiden Linien ist das langsam wachsende extensive Freilandmasthähnchen ISA JA 757. Das erste Jahr gestaltete sich nach Aussagen des Betriebsleiters schwierig, die Produktion übertraf nun den tatsächlichen Bedarf der Brüterei und überschüssige Ware musste vom Betrieb Grütter als Konsumeier vermarktet werden.
Anfänglich Erträge hinter Erwartungen
Da Elterntiere in den Anschaffungskosten mit 12,50 Euro wesentlich höher liegen als normale Legehennen, darüber hinaus die Produktionskosten durch den erhöhten Hahnenanteil ebenfalls kräftiger zu Buche schlagen, bewegte sich die erwartete Rentabilität der Herde nicht in dem Rahmen, wie vorab kalkuliert.
Es war zwar keine Unterdeckung gefahren worden, doch der erwirtschaftete Stundenlohn war zu niedrig. Dies sollte sich jedoch im darauffolgenden Jahr 2009 durch Veränderungen am Markt wandeln. Bedingt durch das Ausscheiden eines Mitbewerbers und die dort entstandene Versorgungslücke stieg bei der Brüterei Overmeyer die Nachfrage nach Mastküken derart an, dass B. Grütter alsbald eine weitere Mastelterntierherde von 300 Hennen und 40 Hähnen in den Mobilstall einstallte, der ursprünglich für die Masthähnchenhaltung angeschafft worden war.
Diagramm Legeleistung Elterntiere 2008 – 2009

Befruchtungsrate ein wichtiges Kriterium
Durch den gestiegenen Bruteierbedarf sowie einer Verbesserung der biologischen Leistungen stieg seitdem der Absatz im Betrieb Grütter erheblich. Für die Bruteier war bei mindestens 75 % Befruchtungsrate ein Stückpreis von 0,25 Euro vereinbart worden, bei einem Herabsinken der Befruchtungsrate unter 75 % wird der Bruteierpreis neu verhandelt.
In der Herde 2008-2009 (s. Grafik) fielen zunächst 42 kleinere Eier je Henne an, die sich nicht zur Brut eignen und von B. Grütter mit 0,05 Euro veranschlagt über den Hofladen vermarktet wurden. 236 Eier je Henne konnten als Bruteier an Overmeyer vermarktet werden.
Die Verluste lagen in der Beispielsherde bei insgesamt 7,1 %, innerhalb der Hennenlinie sind diese mit 4,1 % und bei der Hahnenlinie mit 29,2 % zu beziffern. Um während der Produktion eine fortlaufend gute Befruchtungsrate zu gewährleisten, ist der Betriebsleiter dazu übergegangen, einige Elterntierhähne am Hof in einem separaten Stall auf Reserve zu halten, um bei Hahnenverlusten Tiere nachsetzen zu können.
Vermarktung der Alttiere erhöht Rentabilität
Hinzu kommt, dass B. Grütter eine Möglichkeit gefunden hat, die Alttiere zu einem guten Preis geschlachtet an den Handel abzugeben. Der Legehennenhalter selbst ist für die Schlachtung verantwortlich, diese findet im Betrieb „Thönes Natur“ als Lohnschlachtung statt. Nach Abzug der Schlachtkosten von 1,50 Euro verbleiben B. Grütter bei der Henne mit 1,4 – 1,5 kg Schlachtgewicht 1,50 Euro, der Hahn bringt als Schlachtkörper mit ca. 3 kg 4,50 Euro ein. Entgegen der sonst üblichen Praxis, für Althennen kaum Einnahmen erzielen zu können, trägt diese Tatsache deutlich zur Verbesserung der Rentabilität in Grütters Herden bei.
Berthold Grütter verfüttert in der Geflügelhaltung sein eigenes Getreide, Mais und Weizen werden mit einem 50 %igen Ergänzer von Meierhof zu Bakum am Hof fertig gemischt. Seine Futterkosten belaufen sich derzeit auf 36,25 Euro je dt.
Stalleinrichtung an Bedürfnisse anpassen
An der bereits vorhandenen Inneneinrichtung des ersten Elterntierstalles in Form einer Volito-Anlage waren nur geringfügige Veränderungen nötig. Schräg gestellte Bretter erleichtern den etwas schwereren Tieren den Zugang zu den Nestern und in die Anlage. Allerdings hat der Betriebsleiter hier den Eindruck, dass die Hennen beweglich genug wären, dies aus eigener Kraft auch ohne Hilfen zu schaffen.
Die Futterkette wurde durch eine Gitterabdeckung mit einem Querelement so verändert, dass die Hähne hier keinen Luxuskonsum betreiben können. Um eine dauerhaft gute Befruchtung durch agile Hähne zu gewährleisten, ist es wichtig, dass die Tiere nicht zu fett werden. Daher werden sie restriktiv gefüttert, sie erhalten zweimal täglich eine Tagesration von insgesamt 123 g je Hahn. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass eine Belastung der Hennen durch zu schwere Hähne beim Tretakt entfällt. Die Hähne werden in separaten Trögen im Scharrbereich gefüttert.
Wachstum auch im Mastbereich
Da auch über „Thönes Natur“ die Nachfrage nach Bio-Masthähnchen stieg, konnte auf die verlorene Kapazität des 68 m² großen Mobilstalles nicht verzichtet werden und es wurde ein weiterer, größerer Stall der Firma Wördekemper Kollenberg aufgestellt.
Der Triangel Feststall ist örtlich gebunden und bietet mit den Abmessungen 12 x 33 m insgesamt 396 m² Stallinnenfläche, hinzu kommt ein angesetzter Kaltscharr-Bereich des C-Line-Systems mit 132 m² Fläche. In diesem finden 4.400 Masthähnchen – aufgeteilt in zwei Altersgruppen – Platz.
Ein weiteres Altgebäude aus dem Jahr 1955 befindet sich derzeit in der Umbauphase, hier werden nach Fertigstellung weitere 4.400 Masthähnchen nach Bioland-Richtlinien gemästet. Insgesamt werden nach den Umbaumaßnahmen 12.800 Masthähnchenplätze neben den 1.240 Elterntierplätzen im Betrieb Grütter vorhanden sein.
Quelle und Ansprechpartnerin: Jutta van der Linde, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02162-370-672, E-Mail: jutta.vanderlinde@lwk.nrw.de
