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Erster Körnerleguminosentag – Vom Anbau bis zur Verwertung

Anbauseminar für Landwirte

Sojabohnenanbau, Foto: C. Hof-Kautz, Lwk NRWDer erste Körnerleguminosentag war mit über 70 Teilnehmern hervorragend besucht. Die Veranstaltung wurde von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zusammen mit dem Projekt „Vom Acker in den Futtertrog – Zukunftsweisende Eiweißfutter-Versorgung für NRW“ der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) am 22. November 2011 in Haus Düsse durchgeführt. Die als Anbauseminar ausgelegte Veranstaltung richtete sich ganz ausdrücklich an alle landwirtschaftlichen Unternehmen – konventionell wie ökologische wirtschaftende – für die dieses Thema von Interesse sein könnte. So waren viele Landwirte aber auch Berater, Wissenschaftler und Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie Schüler einer landwirtschaftlichen Fachschule gekommen.

Christoph Dahlmann beklagt Eiweißlücke in der EU

Christoph Dahlmann, Projektleiter bei der AbL NRW, stellte das Projekt vor, welches seit März 2011 für 2 Jahre von der Umweltstiftung NRW gefördert wird. Er wies auf die Eiweißlücke in der EU und den rapiden Rückgang des Leguminosenanbaus in Deutschland hin, der auch mit einem deutlichen Züchtungsdefizit bei den Körnerleguminosen Tylenchorhynchus einhergeht.

Auf der Projekt-Homepage www.Vom-Acker-in-den-Futtertrog.de wird zukünftig ein Marktplatz integriert, in welchem interessierte Landwirte Angebote und Nachfragen zu Körnerleguminosen inserieren können. Wie auch in den Diskussionen des Tages deutlich herauskam, ist dies ein wichtiger Schritt zur Etablierung eines Marktes für Körnerleguminosen in der konventionellen Landwirtschaft. Eine Futtermittelliste über Futtermittel ohne Gentechnik-Pflanzen ist bereits online.

Vortrag Christoph Dahlmann (Projektleiter bei der AbL NRW) als PDF >> (842 KB)

Leguminosen und Fruchtfolge - HTW Dresden

Blühende Ackerbohnen, Foto: A. Paffrath, Lwk NRWProf. Knut Schmidtke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden ging in seinem Vortrag der Frage nach, was die Leguminosen für die Fruchtfolge so interessant macht. Ausgehend von einer intensiven dreifeldrigen konventionellen Fruchtfolge beschrieb er deren Nachteile und zeigte die Vorteile bei Einfügung eines 4. Fruchtfolgefeldes mit Ackerbohne auf: Ertragszuwachs, N2-Fixierung und Klimaschutz.

In der Diskussion ging er auf die Frage der Ertragsschwankungen bei weißblühenden Körnererbsen ein; v.a. bodenbürtige Krankheiten seien ursächlich zu nennen, so dass er Anbaupausen von mind. 6 Jahren empfiehlt. Zudem habe sich neuerdings gezeigt, dass Rotklee und Ackerbohne in einer Fruchtfolge ungünstig sei.

Weiterhin verwies Schmidtke darauf, dass Mulchnutzung die N2- Fixierleistung um 33-60 % gegenüber einer Schnittnutzung reduziere, im Gemenge ein Ertragsanteil der Körnerleguminose von 70-80 % anzustreben und daher das Gemenge ähnlich wie eine Körnerleguminosenreinsaat hinsichtlich der Anbaupausen zu bewerten sei. Um hohe Nmin-Reste nach Körnerleguminosen zu vermeiden, nannte der Referent Gemengeanbau mit Getreide, Untersaaten mit Gräsern oder Kreutzblütlern sowie Zwischenfrüchte.

Um neben der Verminderung hoher Restnitratgehalte nach der Körnerleguminose auch die Körnerleguminose selber effektiver in ihrer N2-Fixierleistung zu machen,  prüfe er derzeit zudem neue Ansätze, über Zwischenfrüchte direkt vor der Körnerleguminose den N-Gehalt deutlich zu reduzieren, . Erfolgsversprechend seien hier Schwarzhafer und Roggen, mit weitem C/N-Verhältnis.

Vortrag Prof. Knut Schmidtke (Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden) als PDF >> (1.043 KB)

Eiweißversorgung in der Fütterung sicherstellen -Lwk NRW

„Mit heimischen Leguminosen die Fütterung sicherstellen?!“ war das Thema von Herrn Dr. Gerd Stalljohann, Landwirtschaftskammer NRW. Anhand der Inhaltstoffe, inkl. der antinutritiven, zeigte er die Sicht der Tierernährung auf die heimischen Körnerleguminosen auf. Wichtig sei die Eiweißqualität, insbesondere die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cyctein, wovon die Ackerbohne und die Erbse weniger vorzuweisen haben. Dennoch sei die Preiswürdigkeit im Vergleich zu anderen Futtermitteln gegeben.

In der Fütterung dürfe bei Einsatz heimischer Körnerleguminosen nicht zu schnell oder oft gewechselt werden, um die Tiere hinsichtlich ihrer Verwertungsleistung nicht zu überfordern. Die Empfehlungen der ufop (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V.) zu den einsetzbaren Mengen sind sehr gut zu verwenden.

Versuche in Haus Düsse bei Ökoschweinen haben gezeigt, dass z.B. heimische Körnerleguminosen gut in der Fütterung einsetzbar sind. Z.B. kann mit Ackerbohne und Lupine der intramusluläre Fettanteil erhöht werden. Der Einsatz von frischem oder siliertem Kleegras in der Schweinemast bzw. der Ferkelerzeugung wurde vom Referenten aufgrund der damit eingebrachten Futterstruktur sehr begrüßt.

Vortrag Dr. Gerd Stalljohann (Landwirtschaftskammer NRW) als PDF >> (1.311 KB)

Pflanzenbauliche Aspekte des Leguminosenanbaus

Schote der Ackerbohne, Foto: A. Paffrath, Lwk NRWAnbauhinweisen für einzelne Körnerleguminosenarten  ging Frau Dr. Claudia Hof-Kautz auf das Problem der Leguminosenmüdigkeit ein. Dies sei sehr komplex und hätte vielfältige Ursachen.

Untersuchungen im Rahmen eines Ackerbohnen-Monitorings der Jahre 2009 bis 2011 hätten gezeigt, dass sehr betriebsindividuell nach den Gründen geschaut werden müsse. Wichtige Ursachen seien Aussaatbedingungen, pilzliche Schaderreger, Fruchtfolge, Humusgehalt, evtl. auch Schwefelmangel, sowie sekundärer Unkrautdruck und Blattläuse. Insbesondere in 2011 war die extreme Trockenheit als Hauptursache anzusehen. Die Sojabohne als neue, allerdings anspruchsvolle Kultur könnte für einige Betriebe interessant sein, so die Referentin.

In der Diskussion wurde einiges zur Sojabohne durch den Landwirt Benedikt Sprenker und den Verarbeiter Herr Berief (Fa. Berief in Beckum, Soja-Lebensmittelverarbeiter) ergänzt. So werden noch Betriebe für den Vertragsanbau mit der Firma Berief gesucht. Interessierte ökologisch wirtschaftende Landwirte können sich bei Annette Alpers melden (Naturland-Fachberatung in Lippetal-Lippborg (Tel.: 02527 / 9302-13; Email: a.alpers@naturland.de).

Vortrag Dr. Claudia Hof-Kautz (Landwirtschaftskammer NRW) als PDF >> (10,3 MB)

Wirtschaftlichkeit von Körnerleguminosen

Auf das Thema der Wirtschaftlichkeit der Körnerleguminosen ging Herr Dr. Harald Lopotz von der Landwirtschaftkammer NRW in seinem Referat ein. Seine auf konventionelle Bewirtschaftungsweise fokussierten Berechnungen zeigten auf, dass bei alleinigem Vergleich der Kulturen, aufgrund der niedrigen Preise für Körnerleguminosen sich der Anbau nicht lohnen würde. Auch bei einem unterstellten Fruchtfolgewert ist aus seiner Sicht noch nicht die Wirtschaftlichkeit erreicht.

Problem sei auch die Flächenverteilung: intensive Betriebe mit hohem Futterbedarf würden keine Körnerleguminosen anbauen, Ackerbaubetriebe, wo die Körnerleguminosen gut in die Fruchtfolge passen würden, finden keinen Markt, haben also keinen Absatz und darüber hinaus sei der Anbau im Vergleich zum Getreideanbau bei derzeitigem Preisniveau auch nicht rentabel. Eigene Verwertung in der Tierhaltung würde die Wertschöpfung erhöhen.

Der Referent sieht Chancen für die Körnerleguminosen, je nach Preis und Verfügbarkeit von Soja bzw. weiterer Förderungen z.B. über die vielfältige Fruchtfolge. Die Ausführungen von Dr. Lopotz lösten eine rege, z.T. hitzige Diskussion um die Anbauwürdigkeit und die agrarpolitische Entwicklung aus.

Sojabohne erntereif, Foto: M. Mücke, Lwk NiedersachsenProf. Bernhard Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen, Soest, merkte an, dass man zukünftig nicht Einzelfrüchte in der Fruchtfolge berechnen und bewerten solle, sondern immer die gesamte Fruchtfolge. Würde man dies tun, wäre auch die Vorzüglichkeit des Körnerleguminosenanbaus besser als dargestellt, gleichwohl immer noch nicht vergleichbar mit Getreide. Darüber hinaus wurde in der Diskussion angemerkt, dass sich die Wirtschaftlichkeit der Körnerleguminosen in Biobetrieben anders darstellen kann und auch die Pachtpreise von Bedeutung seien.

Praxisberichte zum Anbau

Die Vortragsreihe wurde abgeschlossen mit zwei Praxisberichten von Landwirten, die ihre Erfahrungen beim Anbau von Körnerleguminosen darstellten. Willi Lönne, konventionell wirtschaftender Landwirt aus Beckum, schätzte seinen Bestand mit 30 Körnern/m² als zu dünn ein. Schwierigkeiten hatte er mit Unkräutern wie Ackersenf und Disteln, wohl auch deshalb, weil er, wie er einräumt, „…nicht alles richtig gemacht habe…“. Es sei eben doch so, dass die Körnerleguminosen häufig nicht die Beachtung im Betrieb finden, wie andere Früchte. Die Ackerbohnenerträge im Betrieb Lönne lagen bei ca. 53 dt/ha mit 25,5 % Rohprotein.

Vortrag Willi Lönne (konventionell wirtschaftender Landwirt aus Beckum) als PDF >> (553 KB)

Christian Kroll-Fiedler bewirtschaftet einen ökologischen Betrieb in Warstein-Belecke mit 148 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Leguminosen gehören für den Milchviehhalter schon seit Jahren in die Fruchtfolge, u.a. weil er sie gut in der Fütterung einsetzen kann. Auf schweren Böden wirtschaftet er im Dammanbau nach dem Häufelpflug System Turiel. Teilweise Schwierigkeiten im Ackerbohnenanbau habe er mit Disteln, Spätverunkrautung (Ausfallraps), Botrytis und Bohnenrost. Mit ca. 36 dt/ha bei 24,4 % Rohprotein sei er mit ca. 80 % des Ertrages, welcher ein konventioneller Landwirt erziele, zufrieden.

Vortrag Christian Kroll-Fiedler ( ökologisch wirtschaftender Landwirt aus Warstein-Belecke) - als PDF >> (1.874 KB)

In der Abschlussdiskussion ging es v.a. um die fehlende Vermarktbarkeit. Hier war die Frage, wie man zu fairen Preisen kommen könne. Neben dem Angebot der AbL eine Marktbörse im Internet zu errichten, war es Wunsch einiger Landwirte eine Anzeigenrubrik für Futtermittel im Wochenblatt zu bekommen. Diese müsse jedoch mit ausreichend Daten hinterlegt sein, so Herr Große-Enking vom Wochenblatt. Darüber hinaus könnten Marktpartner z.B. durch kleinere Veranstaltungen mit den Mühlen in Kontakt gebracht werden.

Christoph Dahlmann Prof. Knut Schmidtke Dr. Gerd Stalljohann Dr. Claudia Hof-Kautz Dr. Harald Lopotz und Prof. Bernhard Schäfer Willi Lönne Christian Kroll-Fiedler
Christoph Dahlmann
Fotos: AbL, NRW
Prof. Knut Schmidtke
Dr. Gerd Stalljohann
Dr. Claudia Hof-Kautz
Dr. Harald Lopotz,
Prof. Bernhard Schäfer
Willi Lönne
Christian Kroll-Fiedler

 

Quelle und Ansprechpartnerin: Dr. Claudia Hof-Kautz , Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221-5340-177, Handy: 0171-55 62 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

 

 

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Stand: 19.01.2012 15:05