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Pflanzgutkontrolle und Vorkeimung im ökologischen Kartoffelanbau
Das Vorkeimen der Kartoffeln im ökologischen Anbau ist fast ein Muss, auch bei späteren Pflanzterminen. Selbst wenn in den letzten Jahren oft auf die Vorkeimung verzichtet werden konnte, man sollte bedenken, dass auch die Krautfäule die Bestände möglicherweise mal wieder befallen kann. Spätestens dann wird man das Vorkeimen wieder zu schätzen wissen, weil der ein- bis zweiwöchige Wachstumsvorsprung einen höheren Ertrag sicherstellt.
Vorkeimung zügig vorbereiten
Nach dem Pflanzgutbezug sollten die Kartoffeln zur Vorkeimung möglichst bald aufgesetzt werden. Werden Pflanzkartoffeln zu lange in Säcken, Big Bags oder Großkisten aufbewahrt, können bei hoher Keimbereitschaft bis zu 10 cm lange Keime entstehen. Daher sollten die Vorkeimkisten möglichst schnell befüllt werden.
Pflanzgutkontrolle wichtig
Da im letzten Jahr viele Kartoffeln mit Rhizoctonia belastet waren, ist auch beim Pflanzgut auf einen Befall zu achten. Um diesen zu erkennen ist es notwendig, die Knollen zu waschen. Der Knollenbefall sollte unter 15% liegen, auch wenn es nach dem Saatgutverkehrsgesetz für Rhizoctonia keine Befallsgrenze gibt. Im Ökoanbau gibt es keine Beize gegen Rhizoctonia.
Keimentwicklung im Auge behalten
Schon vorgekeimte Kartoffeln sollten auf Keimlänge kontrolliert werden. Die Keimlänge sollte noch bei 0,5 bis 1.0 cm liegen. Die Keime sollten grün sein, sonst muss die Beleuchtungsintensität erhöht bzw. die Anzahl der Neonröhren aufgestockt werden. Sind die Keime eher 2 cm lang und instabil, kann über Abkeimen die Entwicklung gebremst werden. Keime sind nur über Kälte und bis zu 24 Stunden Licht zu bremsen. Vor dem Abkeimen sollten allerdings Qualität und Stabilität des Pflanzgutes beachtet werden (Zelldruck, Multiplekeimung, Fusarien). Besser sind kurze und stabile Keime als zu lange Keime, die schneller brechen.
Vorkeimung termingerecht anregen
Die eigentliche Vorkeimung beginnt ca. 6 – 8 Wochen vor dem Pflanzen mit einer langsamen Temperaturerhöhung auf 10 bis 15 °C. Bei sehr keimträgen Sorten ist ggf. ein Wärmestoß von 18 bis 20 °C über 2 bis 4 Tage zu prüfen.
Ein kurzzeitiger Wärmestoß bewirkt eine gleichmäßigere und schnellere Keimung. Dies sollte vor allem bei kürzeren Vorkeimzeiten beachtet werden. Nach dem Temperaturstoß muss das Pflanzgut kühl gelagert werden. Temperaturschwankungen fördern eine zusätzlich die Keimung.
Keimqualität gezielt steuern
Bei Temperaturen über 10 °C ist die apikale Dominanz (= Spitzentrieb unterdrückt die Keimung der Nebentriebe) stärker ausgeprägt: Es treiben nur wenige Augen am Kronenende der Knolle aus; die anderen Augen werden unterdrückt. Folge: Geringerer Ansatz, jedoch schnell dicke Knollen.
Bei niedrigen Temperaturen tritt die apikale Dominanz weniger in Erscheinung. Eine Kühllagerung der Knollen bei 4 bis 6 °C bewirkt zwar eine verzögerte, aber vermehrte (multiple) Keimung; fast alle Augen treiben aus. Eine multiple Keimung erreicht man auch, wenn die apikale Dominanz durch Abkeimung gebrochen wird.
Bei schon gekeimten Knollen (Abkeimung) ist eine zusätzliche Keimstimulation kontraproduktiv, da bei einer Temperatur-Erhöhung erhöhte Wasser- und Trockensubstanz-Verluste auftreten und damit die Vitalität bzw. die Triebkraft verringert wird.
Pflanzgutkontrolle und Vorkeim-Check
Im Rahmen unseres Beratungsangebotes bieten wir die Pflanzgutkontrolle und den Vorkeim-Check an. Bei Bedarf bitte rechtzeitig melden, damit wir Sie jetzt noch unterstützen können.
Quelle: Franz-Theo Lintzen, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-169, Mobil: 0172-2040 109, E-Mail: Franz-Theo.Lintzen@lwk.nrw.de
