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Kartoffelsaison 2011 - Trockenheit und Qualitätsprobleme
Am Mittwoch, den 11. Januar 2012 fand der traditionelle Öko-Kartoffeltag, organisiert vom Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, schon zum 13. Mal in Haus Düsse statt. Rückblick auf die Saison, Versuchsergebnisse, Sorten, Tropfbewässerung und Transparenz in der Vermarktung waren die Themen in diesem Jahr. Die mit ca. 55 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung bot Gelegenheit zur regen Diskussion unter den Landwirten, Züchter, Versuchsanstellern und Beratern. Es berichtet Frau Dr. Claudia Hof-Kautz von der Landwirtschaftskammer NRW.
Rückblick auf die Saison 2011
Zunächst gab Theo Pütz, ehemaliger Kartoffelbauberater des Ökoteams der Landwirtschaftskammer NRW einen Rückblick über die Saison 2011. So waren durch die guten Pflanzbedingungen viele Kartoffeln schon recht früh in die Erde gekommen, berichtet der Berater. Gerade diese weiter entwickelten Bestände seien von der starken Frostnacht Anfang Mai zum Teil stark geschädigt worden, insbesondere auch vorkeimte Bestände, bedauerte der Experte.
Das Jahr sei aber v.a. durch die extreme Frühjahrstrockenheit gekennzeichnet gewesen, die sich bis in den Mai hinzog. Hier half nur noch Beregnung. Als die entscheidenden Schädlinge im Jahr 2011 nannte der Berater Kartoffelkäfer und Läuse. Darüber hinaus seien starke Schäden durch Drahtwurm und Drycore zu beklagen. Gerade für den Drahtwurm seien das trockene Frühjahr und der trockene Herbst ideal gewesen. Im Kartoffellager zeigen sich nun insbesondere Probleme mit Keimen, beendete der Referent seinen Vortrag.
Versuche zur Schalenfestigkeit früher Sorten und zu Rhizoctonia-Strategien
Im Anschluss erfolgten durch Claudia Hof-Kautz, Versuchsleiterin im Öko-Ackerbau, die Darstellungen von Versuchsergebnissen zu den Themen: Schalenfestigkeit früher Kartoffelsorten sowie Biofumigation und Beize zur Reduzierung von Rhizoctonia. Beides sind Themen, die erst seit einem Jahr bearbeitet werden und daher sind die Versuchsergebnisse noch mit Vorsicht zu interpretieren.
Bei dem Thema Schalenfestigkeit früher Sorten geht es um Strategien mittels Schlegeln und Flammen die Sorten noch früher schalenfest zu bekommen und damit auch zeitiger an den Markt zu gehen. Hier zeichnet sich ab, dass dies durchaus möglich ist, allerdings müsse die Versuchsdurchführung verbessert werden, resümiert Frau Hof-Kautz.
Im zweiten Versuch ging es um Strategien zur Rhizoctonia-Reduzierung. Ein Ansatz sei die Biofumigation. Das seien besondere Zwischenfrüchte (Senf, Ölrettich) mit sehr vielen Glycosinolaten, die beim Abbau der in den Boden eingearbeiteten Biomasse negativ auf bodenbürtige Erreger wie Rhizoctonia oder Silberschorf wirken würden, erklärte die Referentin.
Eine Beize mit Sanna Terra soll vor bodenbürtigen Schaderregern v.a. Rhizoctonia schützen. Erste Versuchsergebnisse konnten jedoch kaum Effekte der genannten Maßnahmen zeigen; eine leichte Reduzierung bei Silberschorf und Rhizoctonia-Pusteln durch die Biofumigationsmischungen wurde beobachtet.
Sortenversuche
Im weiteren Verlauf des Vormittags ging es um die Präsentationen der Sortenversuche im Kartoffelbau. Zunächst gab Frau Hof-Kautz einen Überblick über die drei Sortenversuche in NRW und deren Ergebnisse in 2011. Auf den Standorten der Leitbetriebe in Rheda-Wiedenbrück und Willich Anrath werden überwiegend festkochende und vorwiegend festkochende Sorten angebaut.
Hier hatten von den 22 Sorten in Rheda-Wiedenbrück die Sorten Agila und Francisca ertraglich am Besten abgeschnitten. Am Standort Willich-Anrath erzielten von 20 Sorten Allians und Musica den besten Ertrag. Phytophthora trat kaum oder erst spät auf und konnte nur in Willich-Anrath bonitiert werden. Die Sorte Cascada zeichnete sich mit lange bestehendem grünen Laub aus.
Die Auswertungen der Speisewertprüfungen der letzten drei Jahre ergaben, dass Sorten wie Vitabella, Bellaprima, Anuschka, Belana, Annabelle und Allians den Testern recht gut schmeckten. Die Sorten Sissi, Miranda, Campina, Cascada, Red Fantsy und Megusta schneiden eher schlechter ab. Allerdings sind die Speisewertprüfungen nur als Tendenz zu verstehen, wie eine Sorte langjährig vom Verbraucher eingeschätzt wird, lässt sich so nicht genau vorhersagen.
Am dritten Standort in Dortmund wird seit drei Jahren ein extra Versuch zu mehlig kochenden Sorten durchgeführt, um bei diesen die Krautfäuleanfälligkeit zu testen. Nun gab es in allen drei Jahren keinen massiven Krankheitsruck, so dass dieser Versuch weitergeführt wird. In 2011 hatten die Sorten Pomqueen, Melody und Melina die höchsten Erträge mit zum Teil sehr vielen Übergrößen bis zu 70 %. Pomqueen hielt am längsten das Laub im Bestand grün, schmeckte den Teilnehmern des Speisetests allerdings am Schlechtesten.
Früher Ertragsaufbau entscheidend
Armin Meyercordt von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ergänzte die Beschreibungen zu den Sortenversuchen, indem er über das BÖLN-Projekt zu den Ökokartoffeln berichtete. An insgesamt sieben Standorten in der Bundesrepublik (ein Standort ist Rheda-Wiedenbrück in NRW) werden 18 gleiche Sorten angebaut und umfangreiche Erhebungen gemacht, so die Beschreibung der Versuchsanordnung.
Ziel ist es, über mehrere Zeiternten das Ertragspotential der einzelnen Sorten zu bestimmen und sortenspezifische Unterschiede in der Bestandsentwicklung und dem Ertragsaufbau zu identifizieren. Darüber hinaus werden weitere für den Ökolandbau wichtige Parameter wie z.B. der Rhizoctoniabesatz erfasst.
An einigen Beispielen zeigte der Projektleiter die Unterschiede in den Ertragszunahmen einzelner Sorten über die vier Zeiternten an unterschiedlichen Standorten und in verschiedenen Jahren auf, was zu reger Diskussion mit dem Publikum führte. Von allen Sorten und Standorten wird seit 2009 außerdem ein zentraler Lagerungsversuch in Dethlingen durchgeführt. Hier werden Lagerungsverluste und Schalenbeschaffenheit erfasst. Erste Ergebnisse bestätigten Unterschiede je nach Standort, Sorte und Jahr, so Herr Meyercordt.
Vortrag von Herrn Armin Meyercordt als PDF >>![]()
Vorgestellt: Neue Sorten zum Anfassen
Claudia Hof-Kautz und Theo Pütz stellten die neuen Kartoffelsorten mit den jeweiligen Sortenbeschreibungen vor. So konnten sich die Teilnehmer die einzelnen, neuen Kartoffelsorten mit den unterschiedlichen Eigenschaften genau ansehen und auch anfassen.
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Beim Öko-Kartoffeltag in Haus Düsse wurden die neuen Kartoffelsorten den interessierten Teilnehmern vorgestellt. |
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Ebenfalls vorgestellt: Franz-Theo Lintzen, der Neue im Ökoteam
Franz-Theo Lintzen als Nachfolger von Theo Pütz steht Ihnen seit Dezember 2011 als erfahrener Lwk-Berater
für Anbauberatung ökologischer Acker -und Kartoffelbau zur Seite.
Franz-Theo Lintzen Referat 25 — Ökologischer Land- und Gartenbau |
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Landwirtschaftszentrum Haus Riswick |
Trockenheit ohne Ende – was kann man tun?
Am Nachmittag wurde das Thema Tropfbewässerung aufgrund der wiederholt auftretenden extremen Trockenheit im Jahr 2011 aufgegriffen. Hierzu referierten Herr Dr. Martin Müller von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zu Versuchsergebnissen aus Bayern sowie Johannes Büsch, Demeterlandwirt aus Weeze zu seinen praktischen Erfahrungen.
Tropfbewässerung nur was für spezielle Bereiche
Im Vortrag von Herrn Dr. Müller ging es um einen effizienten Einsatz von Wasser und Technik. Der Referent erläuterte die Funktionsweise und die physikalischen Hintergründe der Tropfbewässerung. In den Versuchen der LfL sind auf verschiedenen Trockenstandorten mit unterschiedlichen Bodenarten Schläuche auf den Damm im sogenannten Dammkronenverfahren und auch zwischen den Dämmen in jede zweite Dammsohle (Zwischendammverfahren) ausgelegt worden.
Technische Lösungen zum Auslegen und Einholen der Schläuche gibt es bereits. Allerdings ist das Einholen der Schläuche mit einer sehr geringen Flächenleistung von ca. einem Hektar am Tag verbunden, besser ist es daher, dies von Hand vorzunehmen. Herr Martin Müller bezweifelte, ob die mehrjährigen Schläuche tatsächlich 5-6 Jahre halten würden. Gerade diese seien sehr teuer (5.300 € für 6 Jahre), so dass der Experte einjährige Schläuche empfiehlt (740 €/Jahr), die dann auch die Funktionsfähigkeit gewährleisten würden. Die Kosten für die Bewässerung sind umso größer, je präziser man arbeiten möchte, also z.B. je mehr Tropfer pro Fläche man einsetzt.
Dammkronenverfahren besser?
Beim Vergleich der Verfahren hat das Dammkronenverfahren hinsichtlich Ertrag und v.a. Qualität besser abgeschnitten, weil der Kern des Kartoffeldammes gleichmäßiger befeuchtet wird. So trat beim Zwischendammverfahren extremer Schorfbefall auf, da durch die Bewässerung das Knollenwachstum angeregt wurde, aber der Sauerstoff im Boden nicht vollständig durch das Wasser verdrängt wurde. Daher hatten die Schorfbakterien ideale Bedingungen.
Das sei beim Dammverfahren etwas besser, führt Dr. Müller aus. In der Diskussion zeigte sich, dass das Dammkronenverfahren für Ökobetriebe kaum geeignet ist, da die Pflegemaßnahmen zum Zeitpunkt des Legens der Schläuche noch nicht abgeschlossen sind und durch weitere Pflege dann die Schläuche wieder hervorgeholt würden.
Ausführlich erläuterte der Referent die Frage, zu welchem Zeitpunkt wie viel bewässert werden sollte. Die LfL würde ihr Bewässerungsmanagement auf Basis eines selbst entwickelten Wasserbilanzmodells durchführen, welches ständig überarbeitet würde. Dieses Modell richte sich nach den Bodenarten und deren Speicherfähigkeit und startet die Bewässerung ab einer Bodenfeuchte kleiner 65 % nutzbarer Feldkapazität mit 4-5 mm je nach Bodenart am Tag oder alle zwei Tage.
Die Empfehlung lautet, mit der Beregnung ab 10 cm Krauthöhe zu starten und wenn der Bestand 15 mm aufnehmen kann. Dann sollten kontinuierliche Wassergaben verabreicht werden, die nur bei Regenereignissen unterbrochen werden sollten. Dies würde zu gleichmäßigem Wachstum, gleichmäßiger Sortierung und guter Qualität führen, wirbt der Referent für sein Verfahren. Man könne dann auch Wasser sparen, da der Bestand eher 6 mm bräuchte, würden die Pflanzen auch noch Wasser aus dem Unterboden aufnehmen. So kann der Boden bei Regen wieder zusätzliches Wasser aufnehmen und Sickerwasser entsteht nicht.
In der Diskussion wurde auch nach dem Krankheitsdruck gefragt. Hierzu meint Herr Dr. Müller, dass der Krankheitsdruck wegen höherer Verdunstungsraten und bei geschlossenem Blätterdach steigen würde. Konventionell wären + 20 bis 30 % Fungizideinsatz gegenüber einer unbewässerten Variante zu verzeichnen, so Dr. Müller.
In der Vollkostenrechnung sei die Technik der Tropfbewässerung fünfmal so teuer wie eine Beregnungsmaschine, daher sieht der Experte den Einsatzbereich nur für spezielle Bereiche gegeben, wie z.B. kleine Flächen, nur bei einer bestimmten Kultur mit besonderer Qualität und entsprechend hoher Entlohnung und nur dann, wenn alle anderen Systeme ausscheiden.
Gelungenes Experiment!
Für Johannes Büsch passt das System der Tropfbewässerung aus den von Herrn Dr. Müller zuletzt genannten Gründen ganz gut in seinen Betrieb. So sieht der Landwirt nur bei seinen auf ca. 1,5 ha Fläche angebauten Kartoffeln einen Sinn in der Bewässerung. „Grundsätzlich muss Öko ohne Bewässerung möglich sein.“, ist Herr Büsch überzeugt. Für ihn ist klar: „Wenn schon bewässern, dann muss es zu Öko passen und nachhaltig sein.“ Das Ganze sei eine Energiefrage. Es mache für ihn energietechnisch keinen Sinn, alles zu beregnen.
Die Kartoffel allerdings machen flächenmäßig nur einen kleinen Teil aus, spielen aber bei guter Qualität für die Direktvermarktung eine wesentliche Rolle. In den letzten Jahren wurde viel aussortiert, in 2011 jedoch ist die Qualität hervorragend und die Größenverteilung optimal.
Auf der Betrieb Büsch wurden die Schläuche beim letzten Häufeln seitlich in den Damm gebracht. Das hat gut funktioniert und nur vier Stunden gebraucht. Der Umbau des Köckerlings mit 4 Rollen für die Schläuche oben auf, war in 2-3 Stunden erledigt.
Nicht alle Schläuche wären richtig abgelegt, so kamen die Schläuche teilweise wieder heraus. Dies führte zu Verletzungen am Schlauch durch Vögel und Rehe. Die Reparaturen haben neben der Kontrolle, ob alles richtig läuft, am meisten Zeit beansprucht. Insgesamt ist er aber mit der Bewässerung zufrieden, nur am Tropfer entstandt ein Wasserkegel im Boden in den die Wurzeln hingewachsen sind. Die Bodenstruktur sei perfekt gewesen und es hätte kein Dampfklima im Bestand gegeben, führt Herr Büsch aus. Die Kosten für einjährige T-Tape-Schläuche, einfache kleine Gartenpumpe mit Dieselnotstromaggregat beliefen sich auf 900 €/ha. Insgesamt hält er seine einjährigen Erfahrungen für ein gelungenes Experiment, das er fortführen möchte.
Vermarktung verbessern
Im zweiten Block am Nachmittag zum Thema „Markt: Kann die Vermarktung besser laufen?“ referierten Frau Monika Tietke vom Bio Kartoffel Erzeuger e.V. im Wendland und Herr Franz Westhues von der Marktgenossenschaft der Naturlandbauern e.G. aus Lippetal-Lippborg.
Erzeuger brauchen Transparenz
Frau Tietke stellte in ihrem Vortrag den Bio Kartoffel Erzeuger Verein vor und die Motivation für seine Gründung im August 2010. Die Strukturen haben sich seit dem Preisverfall in der Künast-Ära stark verändert und für Erzeuger sind die Ergebnisse und die späten Eingangsbonituren und Abrechnungen ein Problem. Neben den Vorteilen der veränderten Strukturen wie beispielsweise der Ausweitung der Bio-Produktion nannte die Referentin auch Nachteile wie z.B. die Anonymisierung der Vermarktungswege. Deshalb hätte der einzelne Landwirt weniger direkten Kontakt zum Handel und es fiele ihm schwerer den Marktüberblick zu halten.
Der Verein möchte mehr Gleichgewicht in die Handelsstrukturen bringen. Dabei sieht er sich als Vernetzungsstelle für den Informationsaustausch, der Kontaktpflege zu den Vermarktern und als Vermittler zur Stärkung und Unterstützung der Mitgliedsbetriebe bei Problemen. Durch Ernteerhebungen bei den Mitgliedsbetrieben können die tatsächlich vorhandenen Vermarktungsmengen genauer bestimmt werden. Das schafft Transparenz und Sicherheit sowohl für die Erzeuger als auch für die Vermarkter und hilft die Preissituation richtig einzuschätzen.
Derzeit sind 73 Betriebe mit insgesamt 1.600 ha Fläche Mitglied im Verein. Das sind ca. 30 % der Biokartoffelfläche in Deutschland und damit ein starkes Gewicht. Der Vereinsbeitrag beläuft sich auf 20 €/ha im Jahr bezogen auf die Kartoffelflächen des Betriebes. Wenn man durch stabilere Preise 5 € pro dt mehr erzielen könnte, hätte man durch die Mitgliedschaft im Verein sogar noch 1.000 €/ha Mehrwert erwirtschaftet, rechnet die Geschäftsführerin vor. Der Verein wird sich zukünftig auch stärker um Öffentlichkeitsarbeit kümmern und hat eine Kampagne „300 Tage im Jahr deutsche Biokartoffeln“ gestartet. Die Referentin schloss mit den Worten: „Wir brauchen den Handel, aber der Handel braucht auch uns. Gemeinsam sind wir gut aufgestellt.“
In der Diskussion ging es neben dem Durchsetzen bestimmter Preisvorstellungen seitens der Erzeuger auch darum, dass der Informationsaustausch und die Transparenz, die durch diesen Verein erreicht würde, viel wichtiger seien. Auch Vermarkter bräuchten Transparenz für ihre Planungen. Sie könnten es sich nicht leisten ihre Kunden (Aldi, REWE etc.) nicht zu bedienen, betont Herr Settels von Firma Lehmann Natur GmbH.
Was kann der Handel leisten?
Nach kurzer Vorstellung des Unternehmens Marktgenossenschaft der Naturland-Bauern e.G, Lippetal-Lippborg, die Bio-Kartoffeln und Bio-Gemüse an den Naturkosthandel, den Lebensmitteleeinzelhandel (zu 95%) und an Verarbeitungsbetriebe vermarktet, stellte Herr Westhues dar, dass es die frische Kartoffel aufgrund ihres altbackenen Images nicht leicht hätte. Der Deutsche ist ein schlechter Kartoffelesser, das gilt für frische Kartoffeln, er mag lieber Fertigprodukte. Deshalb kann man den Öko-Kartoffelmarkt nicht beliebig ausweiten, wenn dann nur noch zu Lasten des konventionellen Kartoffelanteiles.
Für die Entwicklungen im Anbau von Biokartoffeln findet Herr Westhues kritische Worte, denn in den letzten Jahren sind höhere Nitratwerte aufgrund höheren Stickstoffeinsatzes in Kauf genommen worden. Das hat zur Folge, dass der geschmackliche Vorteil gegenüber konventioneller Ware schrumpft und Qualitätsprobleme durch Rhizoctonia/Drycore und Drahtwurm zunehmen. Er würde gerne eine Preisdifferenzierung vornehmen und die Landwirte belohnen, die bessere Qualitäten liefern. Der Handel verlangt eine gute Optik, einen guten Geschmack mit entsprechenden Nitrat- und Stärkegehalten. Bei einem relativ teuren Produkt wie der Biokartoffel werden keine optischen Mängel in Kauf genommen.
Die Vermarktungsgesellschaft muss einerseits die Wünsche der Kunden (REWE & Co) erfüllen, anderseits die Biobauern bei der Vermarktung ihrer Kartoffeln unterstützen. Dabei tue die Marktgenossenschaft schon so Einiges für die Landwirte: Organisation von Pflanzgut, Beratung, Seminarangebote, Geschmackstest etc., zählt der Vermarkter auf. Herr Westhues sieht zukünftig die Kartoffel als Gemüse „um das wir uns mehr zu kümmern haben“.
Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz , Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221-5340-177, Handy: 0171-55 62 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de



