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Rückblick auf das Weidejahr 2011

Haus Riswick, Kurzrasenweide, April 2009, Foto: Ökoteam der Lwk NRWTrotz der Trockenheit war 2011 vielerorts ein ausgesprochen gutes Weidejahr. Die Milchleistung fiel höher aus als die Pflanzenbestände dies erwarten ließen. Gesundheitlich gab es vielerorts ebenfalls kaum Probleme. Im Herbst 2011 zeigten sich die Grasnarben meist in gutem Zustand. An einigen Standorten muss, wegen zu später oder fehlender Nutzung Klee nachgesät werden.

2011 früher Weideaustrieb vielerorts möglich

Das trockene Frühjahr ermöglichte einen frühzeitigen Weideaustrieb ohne größere Trittschäden. In Niederungslagen wurde teils schon ab Anfang März, in Höhenlagen je nach Wachstumsbeginn ab Mitte März bis Anfang April mit Milchkühen beweidet. 2 – 3 Wochen nach Weidebeginn wurde bei ausreichend Fläche zu Tag- und Nachtweide übergegangen.

Auf dem Betrieb Legge (535 m ü NN) begann die 24-Stunden-Weide ab 20. April. Hier endete die Weide für die meisten Kühe auch Mitte Oktober. Auf den übrigen Betrieben konnten die Kühe aufgrund der trockenen und milden Witterung zumindest stundenweise bis Mitte November weiden, Jungrinder auch bis Ende November. In der Eifel, wie auch in anderen Regionen von NRW und RLP, konnten guter Zuwachs und trittfeste Narben ab August die Mindererträge der vorhergehenden Wochen zumindest teilweise ausgleichen.

Nördliche Regionen nicht so trocken

Trittschäden, Ampfer und Bestandslücken im Weidejahr 2011 kein Problem, Foto: Ökoteam der Lwk NRWGanz anders die Situation in den nördlichen Regionen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Hier war die Trockenheit im Frühjahr bis Sommer weniger stark als in den südlicheren Regionen. Die hohen Niederschläge im Sommer erschwerten dann allerdings Weidegang, vor allem auf Kleegras.

Stellenweise waren Flächen bis in den Oktober kaum befahrbar bzw. trittfest. Hier erfolgte entweder ein später Schnitt oder das Futter wurde im Oktober und November abgeweidet, denn glücklicherweise blieb es bis Ende November trocken. Auf diesen Flächen ist der Klee teils großflächig ausgefallen. Durch Nachsaat und intensive Nutzung, am besten wäre Beweidung, muss in 2012 versucht werden, den Klee wieder zu etablieren.

Im Hinblick auf die „natürliche“ Bestandsverbesserung und die Anzahl an Weidetagen war das Jahr 2011 ein voller Erfolg. Ausnahme waren nur Standorte mit fehlender Trittfestigkeit nach Niederschlägen. So gab es in Höhenlagen bis zu 230 Weidetage und das bei entsprechender Weidefläche meist als Tag- und Nachtweide.

Leistung reduziert – keine Auffälligkeiten bei Gesundheit

In der Eifel, wie in vielen Teilen von NRW, machte sich die Trockenheit im Frühjahr und Sommer vor allem durch eine deutlich reduzierte Aufwuchsleistung bemerkbar. Die einen nahmen eine geringere Leistung in Kauf, die anderen fütterten zu.

Wo nicht oder nur wenig zugefüttert wurde, war es bemerkenswert, wie viel Milch die Kühe in der Trockenphase gaben. Trotz der trockenheitsbedingten „Durststrecken“ hatten die Kühe, die nicht zugefüttert wurden, im Herbst eine gute Kondition. Auch die Fruchtbarkeit blieb auf unverändert hohem Niveau. Die Flächen zeigten hier über Wochen Wuchshöhen von unter 3 cm und fast keinen Weiderest.

Niedrige Wuchshöhen mit wenig Weiderest gab es in diesem Jahr aber auch auf den Betrieben, die stärker zugefüttert haben. In feuchteren Jahren sieht das allerdings anders aus. Dann gibt es bei Zufütterung deutlich höhere Weidereste. Dies bestätigen sowohl Praxiserfahrungen als auch die Versuche des Landwirtschaftszentrums Haus Riswick.

Grasnarbe und Pflanzenbestand nach Trockenheit

Die Grasnarben der Kurzrasenweiden waren zum Zeitpunkt der Exkursion Ende Oktober in sehr gutem Zustand, obwohl die Flächen im Frühjahr und Sommer, besonderes auf trockeneren Standorten, eine deutliche Überweidung aufwiesen. Die Wuchshöhe lag teils unter 3 cm. Übliche Zeigerpflanzen der Überbeweidung, wie Gänseblümchen oder Moos, waren aber kaum zu finden. Dem kriechenden Hahnenfuß und der Gemeinen Rispe setzte die Trockenheit besonders zu. Sie erholten sich weniger schnell als bspw. das Deutsche Weidelgras und wurden so zurückgedrängt.

Bestand ohne Lücken

Interessanterweise konnten trotz Überbeweidung und Trockenheit keine Ausfälle oder Lücken festgestellt werden. Dies könnte an den Ausscheidungen der Tiere liegen, die, wenn auch punktuell, Wasser und Nährstoffe liefern. Darüber hinaus sorgt der Tritt der Weidetiere für eine Bodenverdichtung, die den kapillaren Wasseranstieg begünstigt. Mit dem Walzen der Grünlandflächen wird dieser Effekt nachgeahmt.

Das Deutsche Weidelgras, welches einen relativ hohen Wasserbedarf hat, war flächendeckend Hauptbestandbildner. Dazu kam ein im Jahresvergleich hoher Weißkleeanteil, der sicherlich u.a. auf die trockene Witterung und hohe Sonneneinstrahlung im Herbst zurückzuführen ist. Dieser wirkte sich wiederum positiv auf die Nährstoffversorgung der Gräser aus.

Distelaufwuchs durch zufütterungsbedingte kurzzeitige „Unterbeweidung“ begünstigt, machte auf Teilflächen ein Nachmulchen erforderlich. Zudem wurde, sofern in Weideraufen gefüttert wurde, die Grasnarbe um die Futterstelle herum stark beschädigt. Hier bildete sich an der Stelle, wo die Raufe stand, ein Ampfernest. Eine flächige Ausbreitung von Ampfer wurde dagegen nicht beobachtet.

Im Gegenteil: Auf Kurzrasenweiden wird Ampfer sogar zurückgedrängt. Aufgrund des ständigen Verbisses hat er keine Gelegenheit zum Einlagern von Reserven oder gar Ausbilden von Samenkapseln. Am deutlichsten zeigte sich dies auf dem Betrieb Theissen: Eine zu Pachtbeginn extrem verampferte Fläche konnte innerhalb eines Jahres durch intensive Beweidung saniert werden. Bei Trockenheit hat er als Pfahlwurzler zwar Vorteile, konnte dies aber auch 2011 offensichtlich bei Kurzrasenweide nicht nutzen.

Haus Riswick, Kleegras, Juli 2009, Foto: Ökoteam Lwk NRWAußer dem Nachmulchen von Teilflächen mit Disteln wurden keine weiteren Grünlandpflegmaßnahmen durchgeführt. Die Weiden wurden weder gestriegelt noch abgeschleppt. Da es vor Ort keine nennenswerte Schwarzwildpopulation gab, war das Abschleppen nicht nötig und die sehr dichte Narbe machte eine Nachsaat überflüssig.

Trockenere Bereiche bevorzugt beweidet

Die Landwirte beobachteten, dass besonders bei feuchten Bedingungen die trockenen Bereiche besonders intensiv abgeweidet wurden. Dies könnte daran liegen, dass die Pflanzeninhaltsstoffe hier höher konzentriert sind. Zu dieser Schlussfolgerung passt, dass selbst „schlechte“ Bestände, geprägt durch z.B. Ampfer, Gemeine Rispe oder Flechtstraußgras, bei geringer Wuchshöhe, also in jungem Vegetationsstadium, gerne gefressen werden.

Quelle: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251-2376-594, E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de,
Katharina David, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel, Rheinland-Pfalz, Münster und Bitburg, den 15. Dezember 2011

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Stand: 10.01.2012 14:35