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Welche Maissorten für den Ökobetrieb?

Öko-Maisanbau, Foto: Ch. Wucherpfennig, Lwk NRWÖkologisch wirtschaftenden Betrieben ist nach EU-Verordnung der Einsatz von Saatgut aus ökologischer Produktion grundsätzlich vorgeschrieben. Auch im Ökoanbau kommt dabei im Maisanbau in der Regel Hybridsaatgut zum Einsatz. Worauf Ökobetriebe beim Anbau von Mais achten sollten und welche Sorten besonders geeignet sind, erläutert Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Maissaatgut gilt als ökologisch produziert, wenn die letzte Vermehrungsstufe, also bei dem Hybridsaatgut die Kreuzung der Linien beziehungsweise Einfachhybriden in einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb erfolgte. Ist von einer Sorte kein Saatgut aus ökologischer Produktion erhältlich, kann nach Genehmigung durch die Kontrollstelle bislang  noch ungebeiztes Saatgut aus konventioneller Produktion eingesetzt werden. Saatgut aus Ökoproduktion ist um rund 30 bis 35 € je Einheit (50 000 Körner) teurer als konventionell produziertes Saatgut.

Keine Garantie für GVO-Freiheit

Ein Thema im Ökomaisanbau ist immer wieder die Gentechnik. So wurden in den vergangenen Jahren bei Kontrollen einzelne Saatgutpartien gefunden, die zumindest Spuren von gentechnisch veränderten Konstrukten aufwiesen. Da konventionelle und Ökoware in der Regel auf dem gleichen Liniensaatgut aufbauen, kann auch Ökoware betroffen sein. Es bleibt zu hoffen, dass sämtliche Kontrollen vor der Aussaat beziehungsweise vor der Auslieferung des Saatguts abgeschlossen sind, sodass eventuell kontaminiertes Saatgut erst gar nicht zur Aussaat kommt. Trotz größter Vorsichtsmaßnahmen in Züchtung, Vermehrung und Saatgutproduktion, kann niemand die GVO-Freiheit garantieren. Dazu müsste jedes Korn einer Saatgutpartie untersucht werden.

Saatgutqualität muss stimmen

Schwierige Auflaufbedingungen können im Ökomaisanbau verstärkt Keimlingsausfälle nach sich ziehen, da das Saatkorn in der Auflaufphase ungeschützt den Bodenorganismen ausgesetzt ist. Voraussetzung für die Anerkennung einer Saatmaispartie ist eine Mindestkeimfähigkeit von 90 %. Die Keimfähigkeit sagt aber nichts über den Feldaufgang unter ungünstigen Bedingungen aus. In der Saatmaisproduktion wird daher in der Regel für jede Saatgutpartie neben der Keimfähigkeitsuntersuchung auch eine Triebkraftprüfung vorgenommen.

Dabei werden mögliche schlechtere Auflaufbedingungen im Labor simuliert. Um Reklamationen aus dem Weg zu gehen, können Saatgutpartien mit schlechteren Qualitäten oder  Triebkraftwerten dann gezielt in wärmere Regionen geschoben werden. Auch ein Verschneiden mit besseren, anerkannten Saatgutpartien ist möglich und wird praktiziert.

In jedem Fall wird der Züchter oder das Handelsunternehmen bemüht sein, den Kunden mit Saatgut einer für die Region guten Qualität zu versorgen. Da sowohl Keimfähigkeit als auch Triebkraft bei der Lagerung leiden können, wird überlagertes Saatgut vor der Auslieferung erneut kontrolliert.

Triebkraftprüfung erhöht Kosten

Mais-Sortenversuche sind im Ökoanbau mit hohem Aufwand verbunden, Foto: N. Erhardt, LWK NRW Für Saatgut, das beim Handel vor Ort oder auf den Betrieben überlagert wird, ist dies aber nicht immer machbar, zumal die Triebkraftprüfung wesentlich teurer ist als die reine Keimfähigkeitsuntersuchung, die Keimfähigkeitsuntersuchung kostet 15 € und die auf Triebkraft 40 € /Probe bei der LUFA Münster. In der Praxis sollte daher beim Saatgutbezug auf ein aktuelles Anerkennungsdatum (Probenahmedatum auf blauem Etikett) geachtet werden, was darauf schließen lässt, dass das Saatgut auch zeitnah untersucht wurde.

Da es kaum praktikabel ist, für mögliche Reklamationen eine gesamte, original verpackte Einheit als Rückstellprobe zurückzuhalten, sollte für mögliche Nachuntersuchungen aber immer ein Kilogramm Saatgut und ein entsprechender Sackanhänger, sowie der Lieferschein aufbewahrt werden. Ansonsten sollte Maissaatgut nach Möglichkeit nicht  im Betrieb überlagert werden. Da Maissaatgut in Einheiten, also nach der Anzahl Körner gehandelt wird, kann die Bestellung unabhängig von TKG auch bedarfsgerecht erfolgen.

Sortenwahl nach Versuchsergebnissen

Exakte Sortenversuche mit Mais sind im ökologischen Landbau in der Regel nur mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand durchzuführen. Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung beim Mais können die Versuche nicht selten nur durch intensive Handhacke sauber gehalten werden. Trotz größter Sorgfalt bei der Versuchsdurchführung kann das ertragliche Abschneiden der Sorten oft nur schlecht abgesichert werden, da die Sortenleistung durch andere Einflüsse, wie ungleichmäßige Pflanzenzahlen oder Unterschiede in der Beikrautkonkurrenz, überlagert wird.

Aus früheren Ökoversuchen mit Maissorten der Landwirtschaftskammer sowie aus den wenigen aktuellen Sortenversuchen im Ökolandbau in anderen Bundesländern, war oder ist zu erkennen, dass die Maissorten in diesen Versuchen relativ durchaus vergleichbar mit den  Ergebnissen konventioneller Landessortenversuche abschneiden. Aufgrund der Vielzahl der regionalen Landessortenversuche kann damit die Sortenempfehlung für den Ökolandbau auf dieser Basis besser abgesichert werden, als mit einem einzelnen Versuch unter gegebenenfalls abweichenden Standortbedingungen.

Die Ergebnisse der Landessortenversuche mit Mais und die entsprechenden Sortenempfehlungen für NRW  wurden bereits in der LZ Rheinland veröffentlicht und sind im Internet unter www.landwirtschaftskammer.de in den Rubriken Landwirtschaft, Ackerbau und Mais auch für die Vorjahre zu finden.

Worauf ist bei der Sortenwahl zu achten

Wie für den Körnermaisanbau hat auch für die Silomaisnutzung die vollständige Ausreife der Maissorte eine besondere Bedeutung. Insbesondere die qualitativen Vorzüge der Maissilage in Form einer hohen Stärke- und Energiekonzentration können erst dann genutzt werden, wenn der Mais mit Trockenmassegehalten im Korn ab 56 % die optimale Silierreife erreichen kann. Bei der Sortenwahl sollte deshalb immer die sortenspezifische Abreife höchste Beachtung finden. Dies gilt für den Ökoanbau besonders, da die Jugendentwicklung ohne den Einsatz leicht löslicher Unterfußdünger unter widrigen Bedingungen in kalten Jahren und auf ungünstigen Standorten extrem zögerlich verlaufen kann.

LSV Verunkrautung im Mais, Foto: LWK NRWDie Frühreife der Sorten bringt immer einen gewissen Spielraum hinsichtlich der Aussaat- und Erntetermine mit sich. Insbesondere im Ökoanbau kann mit frühreifen Sorten auf widrige Boden- oder Wetterbedingungen flexibler reagiert werden. Vor dem Hintergrund einer schnelleren Unkrautunterdrückung wird im Ökomaisanbau der sortenspezifisch zügigen Jugendentwicklung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Eventuelle Sortenvorteile sollten diesbezüglich aber nicht überbewertet werden, da sie in der Regel durch Standort-, Jahres- und Witterungseinflüsse deutlich überlagert werden.

In der Tabelle sind die Sorten aufgeführt, von denen nach Angabe der Züchter- und Saatgutvertriebshäuser zur Ernte 2012 Saatgut aus ökologischer Produktion zur Verfügung steht. In den Spalten sind die Sorten nach den Reifezahlen und der sich daraus abzuleitenden Abreife aufsteigend geordnet. Viele dieser Sorten wurden auch in den konventionellen Landessortenversuchen geprüft und konnten ihre Leistungsfähigkeit in diesen Versuchen unter Beweis stellen. Für den Ökoanbau in NRW sind standortabhängig Sorten bis zu einer Reifezahl von S/K 230 zu empfehlen. Mit zunehmender Höhenlage oder üblich späterer Aussaat sollten früheste Sorten gewählt werden.

Spätere Sorten mit Reifezahlen bis zu S/K 250 können nur für Gunstlagen empfohlen werden. Vorraussetzung für den Anbau ist dann aber auch, dass früh gesät werden kann, die Flächen auch im Herbst gut befahrbar sind und eine spätsaatverträgliche Nachfrucht eingeplant wird, was nicht immer mit den Zielen der ökologischen Landbewirtschaftung in Einklang zu bringen ist.

Tabelle: Von diesen Maissorten ist zur Aussaat 2012 Saatgut aus ökologischer Produktion im Handel
Tabelle Maissorten 2012 im Handel, Norbert Erhardt, LWK NRW

Fazit

Für den Ökomaisanbau in NRW sollte die Frühreife der Sorte bei der Sortenwahl im Vordergrund stehen. Das  Ertrags- und Qualitätspotenzial der Maissorten kann auch für den Ökoanbau aus den regionalen Landessortenversuchen unter konventionellen Anbaubedingungen und den entsprechenden Sortenempfehlungen abgeleitet werden. Da die Saatgutqualität insbesondere bei unsachgemäßer Lagerung leiden kann, sollte beim Saatgutbezug auf das Anerkennungsjahr geachtet werden. Eine zeitnahe Anerkennung lässt auch eine zeitnahe Saatgutuntersuchung erwarten. 

Ansprechpartner: Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251- 2376-734, E-Mail: norbert.erhardt@lwk.nrw.de

Quelle: LZ Rheinland, Ausgabe 4, 26. Januar 2012

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Stand: 07.02.2012 15:05