Navigation

Direktlinks Zum Inhalt springen. | Zur Seitennavigation springen. |
Farbleiste: blau = Umwelt, grün = Naturschutz, orange = Verbraucherschutz, dunkelorange = Landwirtschaft

Gefährdete Nutztierrasse 2012

Die Geflügelrasse „Deutscher Sperber“ ist von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) zur gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2012 bestimmt worden. Diese Rasse steht stellvertretend für weitere 103 gefährdete Nutztierrassen in Deutschland und soll damit auf den drohenden Verlust der Artenvielfalt im landwirtschaftlichen Bereich aufmerksam machen.

Deutscher Sperber - Hahn, Foto: Dalloz
Deutscher Sperber - Hahn, Foto: Dalloz

Herkunft und Verbreitung

Als sich zum Ende des 19. Jahrhunderts die Landwirtschaftskammern verstärkt für die Geflügelzucht interessierten, begann Otto Trieloff aus Duisburg mit den ersten Versuchen ein wirtschaftlich leistungsfähiges Huhn zu züchten. Er nannte die Rasse ”Gesperberte Minorka”. Das weitere Bekanntwerden und die Erfolge auch anderer Züchter führten 1907 zur Gründung einer Sondervereinigung unter dem Vorsitz von Otto Trieloff. Auch Adolf Schneider aus Dresden begann mit seinen Zuchtversuchen zur Rasse "Gesperberte Minorka". Im Kriegsjahr 1917 fasste der Vorstand der Züchtervereinigung gesperberter Minorka den Beschluss, die Rasse fortan als ”Deutsche Sperber” zu bezeichnen. Der Schwerpunkt der Zucht der Deutschen Sperber lag sowohl im Rheinland als auch in Thüringen.

Merkmale und Eigenschaften

Deutsche Sperber gelten als Wirtschaftshuhn in Landhuhnform. Die Hennen legen 170 bis 220 weißschalige Eier pro Jahr. Fleischleistung und -qualität sind gut. Der Bruttrieb ist eher gering. Die lebhaften, recht zutraulichen Tiere sind bei großzügigem Auslauf gute Futtersucher. Die Hähne erreichen ein Gewicht von 2,5 bis 3 kg, die Hennen von 2 bis 2,5 kg.

Aussehen

Der Kopf ist relativ groß und lang mit einem breiten und gut gewölbten Schädel. Der hornfarbige Schnabel ist kräftig und mittellang. Die von rot bis hellbraun vorkommenden Augen sind eher groß. Die Sperberhähne tragen einen einfachen, mittelgroßen und nicht zu tief gezackten Kamm mit 4-6 Zacken, der breit aufgesetzt der Schädelwölbung folgt, ohne jedoch aufzuliegen. Die Ohrscheiben liegen fest an und sind dabei mittelgroß, glatt, länglich-rund und von weißer Farbe. Die Kehllappen sollen gut gerundet sein, das Gesicht ist glatt und mit haarigen Federchen besetzt. Der mittellange Hals hat einen vollen langen Behang.

Die breite und tief angesetzte Brust ist gewölbt und weist ein langes Brustbein auf. Der leicht nach dem vollen Sattel abfallende Rumpf ist lang und breit. Der Bauch sollte breit und nach hinten ausladend sein. Der ebenfalls breite Rücken ist lang gestreckt. Die Flügel sind lang und fest anliegend. Der in stumpfem Winkel relativ aufrecht getragene Schwanz ist locker in den Steuerfedern und besitzt gut gebogene lange und breite Hauptsicheln und viele Nebensicheln. Die Schenkel sind vollfleischig und haben ein fest anliegendes Gefieder. Die mittellangen nicht zu starkknochigen Läufe sind fleischfarben, bei Hennen können sie auch eine leichte graue oder bläuliche Färbung aufweisen.

Bei den Deutschen Sperbern gibt es nur den gesperberten Farbschlag, der jedoch durch seine Schönheit bestechend ist. Jede einzelne Feder zeigt einen leicht gebogenen, quergebänderten Wechsel von schwarz mit hellblau. Bei der Henne ist das dunkle Federfeld stärker ausgeprägt als das weiße, beim Hahn wechseln dunkles und helles Federfeld in gleicher Breite. Die Zeichnung der Sperber weist keine scharfen Konturen auf. Auch das Untergefieder ist zumindest schwach und in regelmäßiger Anordnung gesperbert, ebenso die Sicheln und Steuerfedern.

Die Küken der Deutschen Sperber sind dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Die männlichen Küken haben einen größeren zerrissenen Kopffleck als die weiblichen Küken. Weibliche Küken weisen zudem auch dunklere Läufe auf.

Deutscher Sperber - Hahn, Foto: Dalloz Deutscher Sperber - Huhn, Foto: Dalloz Deutscher Sperber - Küken, Foto: Dalloz
Deutscher Sperber - Hahn, Foto: Dalloz Deutscher Sperber - Huhn, Foto: Dalloz Deutscher Sperber - Küken, Foto: Dalloz

 

Legeleistung

Die Zuchtidee dieser Rasse entstammt einer Zeit der wirtschaftlichen Not und besteht seitdem darin, ein wirtschaftlich wertvolles Bauernhuhn zu verkörpern. Das Augenmerk ist auf die große, leistungsfähige Landhuhnform gerichtet, die in allen Teilen erkennbar sein muss. Die Sperberhenne sollte im Jahr nicht weniger als 170 weißschalige Eier legen, wobei aber auch schon Leistungen von bis zu 230 Eiern pro Jahr gezählt wurden. Die Eier haben ein Mindestgewicht von 60 g, das bei dieser Rasse grundsätzlich erreicht wird. Wie schon erwähnt ist der Bruttrieb sehr gering.

Entwicklung der Rasse

In den ersten Nachkriegsjahren zählte der Sonderverein laut Mitgliederliste etwa 50 Mitglieder. 1960 standen 42 Mitglieder auf der Sondervereinsliste. Die Schauen waren zu dieser Zeit gut mit Sperbern beschickt. In den folgenden Jahren schieden jedoch viele Zuchtfreunde altersbedingt aus. So reduzierte sich die Mitgliederzahl bis 1967 auf 28 Personen, in den 70er Jahren wurde der Verein nur noch verwaltet. Damit nahm auch die Beschickung der Ausstellungen zwischen den Jahren 1960 und 1976 stark ab:

Jahr Ausstellungsort Ausgestellte Sperber
1957 Köln 59 Tiere
1960 Hannover, Essen, Köln 103 Tiere
1966 Hannover, Dortmund, Köln 30 Tiere
1971-77 Hannover unter 10 Tieren je Schau
1976 Nürnberg 2 Tiere

 

Im Jahr 1978 waren im Sonderverein nur noch 5 aktive Züchter gemeldet. Anfang der 80er Jahre nahm die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) den Deutschen Sperber in die so genannte „Rote Liste“ auf. Dies und auch die Bemühungen um eine rege Öffentlichkeitsarbeit führten bis Ende der 90er Jahre etwa zu einer Verdopplung der Mitgliederzahl. Ein neuer Vorstand und die Mitgliederversammlung im Jahr 2005 setzten positive Zeichen durch die Gründung eines Zuchtrings zur Minimierung der Inzucht und der Erhöhung der Legeleistung und Körpermaße. Seit 2006 trägt der Verein den Namen „Erhaltungszuchtverein der Züchter des Deutschen Sperberhuhnes und der Deutschen Zwergsperber“.

Im Jahr 2000 wurden bei einer Bestandserhebung der Deutschen Sperber 65 Hähne und 283 Hühner als eingetragene Zuchttiere registriert. Sie verteilten sich auf 42 Züchter.  Im Jahr 2005 gab es schon  91 Hähne und 395 Hennen. 2009 erhöhte sich der Bestand bundesweit auf 103 Hähne und 423 Hennen. Der positive Trend hat sich in 2010 und 2011 nicht zuletzt wegen des Siegerring-Wettbewerbs, vergeben vom BDRG 2011 auf der Junggeflügelschau in Hannover, vorwiegend bei den organisierten Züchtern fortgesetzt. Im Erhaltungsverein der Deutschen Sperber sind zurzeit 54 Züchter gemeldet.

Wenn nun durch die Ernennung der Deutschen Sperber zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2012“ weitere Halter und Züchter dieser leistungsstarken Rasse verstärkt zugetan sind, dann wird für das Deutsche Sperberhuhn eine erfolgreiche Entwicklung zu verzeichnen sein.

Mehr Infos gibt es auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20. bis 29. Januar. Die GEH stellt neben dem Deutschen Sperber Huhn über 50 in Vergessenheit geratene Rassen vor.

Quelle: Pressemitteilung GEH vom 12. Dezember 2011

 

 

Ihre Meinung || Seite drucken Druck
Stand: 05.01.2012 12:19