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NRW-Projekt „Förderung der Regionalvermarktung von Öko-Produkten" gestartet

Interview mit Markus Rippin
  Markus Rippin, Foto: K. Kempkens, Lwk NRW
  Markus Rippin, Agromilagro research, Bornheim, Foto: Dr. Karl Kempkens(Lwk NRW), der auch das Interview führte


Im Dezember ist ein durch das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium unterstütztes Projekt zur Regionalvermarktung von Öko-Produkten an den Start gegangen. Am Beispiel der Region Ostwestfalen-Lippe soll nicht nur aufgezeigt werden, welche Faktoren für die Ausweitung eines regionalen Ökomarktes entscheidend sind. Es sollen auch konkrete Handlungsschritte mit Marktbeteiligten erarbeitet und umgesetzt werden und damit die Öko-Erzeugung und der Öko-Absatz gesteigert werden.

Das Projekt wird gemeinschaftlich von dem Bornheimer Forschungsinstitut AgroMilagro research, der Bonner PR-Agentur TK-SCRIPT,  dem Bioland-Bundesverband e.V. und dem Bundesverband der Regionalbewegung e.V. durchgeführt, die Federführung liegt bei Markus Rippin, dem geschäftsführenden Inhaber von AgroMilagro research. Wir haben bei Markus Rippin nachgefragt, was es mit dem Projekt auf sich hat.

Frage: Herr Rippin, welche Ziele sollen mit dem Projekt erreicht werden?

Markus Rippin: Da die Bereitschaft der Marktbeteiligten von der Erzeugung über die Verarbeitung und Logistik bis hin zum Handel zum Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten vorhanden ist, es aber bei der Umsetzung erhebliche Behinderungen gibt, setzt die Zielsetzung dieses Projektes genau an den Hemmfaktoren an.

Ziel ist es, die interessierten Marktpartner und Initiativen stärker zu vernetzen, Kooperationsmodelle zu entwickeln, Synergiepotenziale zu realisieren, Betriebe hinsichtlich der existierenden Optimierungspotenziale und Fördermöglichkeiten zu beraten, gemeinsame Vermarktungs- und Logistikkonzepte zu entwickeln. Dabei sollen die bereits existierenden Strukturen in die Überlegungen einbezogen werden, um möglichst effiziente Lösungen zu erarbeiten.

Da die Nachfrage nach regional erzeugten Bio-Lebensmitteln derzeit nicht vollständig gedeckt werden kann, besteht die Chance, konventionell wirtschaftende Erzeugerbetriebe und auch Verarbeitungsunternehmen für die Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise zu gewinnen, wenn eine solche Vermarktungskonzeption erfolgreich umgesetzt wird. Dann können an die Unternehmen ganz konkrete Angebote herangetragen werden, und so auch das Umstellungsrisiko minimiert werden.

Frage: Warum ist ein Projekt zur Vermarktungsförderung im Ökobereich erforderlich. Wir dachten immer, der Ökomarkt boomt auch so?

Markus Rippin: Der Öko-Markt boomt, aber es gibt häufig Situationen,

  1. dass kleinere Anbieter aus dem Markt gedrängt werden, sobald günstigere Angebote – etwa aus den Nachbarländern oder aus Übersee – die Händler erreichen,
  2. dass regionale Anbieter kleine Mengen aus Kostengründen (Logistik) nicht dorthin bringen können, wo die Ware nachgefragt wird,
  3. dass die Verbraucher dem anonymen Bio-Angebot vor allem im LEH misstrauen und dann auf konventionelle Produkte aus der Region zurück greifen, obwohl sie eigentlich lieber ein Bio-Produkt kaufen würden.

Heimischer Bio-Gemüseanbau noch ausbaufähig, Fotos: U. Schepl, Lwk NRWWir wollen daran arbeiten, diese und andere Faktoren, die den Absatz von Bio aus der Region behindern, auszuschalten. Damit stärken wir die Wirtschaftsleistung vor Ort, schaffen bzw. sichern Arbeitsplätze und leisten unseren Teil zum Klimaschutz. Darüber hinaus gibt es beachtliche Synergiepotenziale, die derzeit nicht oder nicht ausreichend ausgeschöpft werden. Erzielen wir eine Optimierung dieser Kooperationen vor Ort, leisten wir einen signifikanten Beitrag zur Kostenreduzierung und können damit neue Absatzpotenziale erschießen, um nur einige Ansatzpunkte zu nennen.

Frage: Wer ist außer AgroMilagro research noch am Projekt beteiligt und auf welchen Zeitraum ist das Projekt angelegt?

Markus Rippin: Neben AgroMilagro research, die die Projektleitung, Unternehmensberatung, -koordination und Marketingberatung leistet, hat TK-SCRIPT die Aufgabe, die Öffentlichkeitsarbeit abzudecken, Veranstaltungen zu organisieren und Informationsmaterial zu erstellen. Der Bioland-Bundesverband e.V.  ist für die Mittelverwaltung zuständig und bringt – gemeinsam mit den anderen Anbauverbänden, der Landwirtschaftskammer NRW sowie einzelnen Erzeugern/Vermarktern - als Projektberater wichtige Regionalvermarktungserfahrungen und Einzelbetriebskenntnisse in das Projekt mit ein.

Ein Projektbeirat, der aus den o.g. Partnern besteht, soll bei wichtigen Schritten konsultiert werden, damit alle verfügbaren Informationen und Erfahrungen mit einfließen können. Vor allem sollen die Praxiskenntnisse einbezogen werden, damit das Projekt auch ganz konkret für die Praxispartner ein Erfolg wird. Der Bundesverband der Regionalbewegung bringt seine Regionalvermarktungserfahrungen und -kontakte ebenfalls mit ein und betreibt in der Region das Regionalbüro des Projektes, um die Erreichbarkeit vor Ort und kurze Kommunikationswege gewährleisten zu können.

Frage: Wenn der Bioland e.V. beteiligt ist, befürchten Sie nicht die Bevorteilung eines Ökoverbandes und wie binden Sie die Ökoverbände und die Landwirtschaftskammer in NRW ein?

Markus Rippin: Wie schon oben erwähnt, ist Bioland als Mittelverwalter mit einbezogen worden und konnte seine konkreten Regionalvermarktungskenntnisse im Bieterverfahren mit einbringen. Der Projektbeirat wird von allen Verbänden und der Landwirtschaftskammer personell besetzt, so dass an dieser Stelle alle Partner die gleichen Einflussmöglichkeiten haben.

Da sowohl AgroMilagro research wie auch TK-SCRIPT völlig neutral sind und auch gerne bleiben möchten, werden wir dafür sorgen, dass kein Verband einseitig bevorteilt wird. Wir werden alle Entscheidungen und konkreten Schritte transparent machen und nach den Erfordernissen des Marktes bzw. Effizienzgesichtspunkten und nicht nach Einzelinteressen treffen. Das gilt, egal ob ein Marktpartner groß oder klein sein sollte. Dieses Projekt kann nur gelingen, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und zusammen arbeiten. Und das gelingt nur, wenn wir nach den o.g. Prinzipien fair vorgehen.

Frage: Wie wollen Sie konkret vorgehen?

Markus Rippin: Wir werden zunächst eine Bestandsaufnahme in Ostwestfalen-Lippe und in angrenzenden Gebieten vornehmen. Dabei wird jeder interessierte Marktpartner (Erzeuger, Verarbeiter, Logistiker, Händler, etc.) hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit, freien Ressourcen, Engpässen, Zukunftsplänen, Ideen für das Projekt etc. befragt werden.

Diese Informationen dienen dann dazu herauszufinden, welche Kooperationsmöglichkeiten es gibt. Also wer kann mit wem am besten enger zusammenarbeiten, wo können sich Unternehmen gegenseitig aushelfen, wie können wir Synergiemöglichkeiten sinnvoll in die Praxis umsetzen, wie schaffen wir es, die Erzeugnisse am effizientesten zur Nachfrage zu bringen etc..

Frage: Wollen Sie sich auf bestimmte Produktbereiche konzentrieren, oder zielt das Projekt auf den gesamten Öko-Produktmarkt ab?

Markus Rippin: Die o.g. Bestandsaufnahme wird zeigen, worauf wir uns zunächst konzentrieren sollten. Dabei werden a priori keine Einschränkungen gemacht. Aber wir werden natürlich auch in der konkreten Umsetzung Prioritäten setzen müssen. Diese aber ergeben sich, wie gesagt, aus den konkreten Rückmeldungen der Unternehmen und werden nicht am grünen Tisch gemacht.

Frage: Wäre es nicht besser, sich auf einzelne Produktbereiche zu beschränken?

Markus Rippin: Wie gesagt, es wird sich zeigen, ob dies notwendig oder sinnvoll sein wird, oder nicht.

Frage: Wenn u.a. die derzeit schon am Markt aktiven Verarbeiter und Händler beteiligt sind und eine Marktentwicklung aber aus eigenen Stücken nicht organisieren können, warum glauben Sie, hat es mit einem zweijährigen Projekt Erfolg?

Markus Rippin: Es besteht kein Zweifel daran, dass es immer Optimierungsmöglichkeiten und ungenutzte Kooperationspotenziale gibt. Oftmals werden diese aber aufgrund von Zeitknappheit und/oder personellen Engpässen nicht in Angriff genommen. Kooperationsbereitschaft besteht, aber es fehlen konkrete Informationen, um sie in der Praxis umzusetzen. Wir werden intensiv daran arbeiten, diese fehlenden Informationen bereitzustellen und die Unternehmen bei der Anbahnung von Kooperationen zu unterstützen.

Frage: Befürchten Sie nicht, dass nach Abschluss des Projektes vieles angestoßen ist, aber auch wieder schnell im Sande verlaufen wird?

Markus Rippin: Das was den Unternehmen ganz konkret im Praxisalltag Vorteile bringen wird, bleibt bestehen, davon bin ich überzeugt. Wenn wir also unsere Arbeit gut machen, entstehen Vorteile für die Marktpartner, die so überzeugend sind, dass die Projektergebnisse auch ohne eine weitere Zuschussfinanzierung aus Eigeninteresse genutzt werden. Darum wird sich unsere Arbeit auch hauptsächlich daran orientieren, dass sie nachhaltige Vorteile für die Marktpartner und die Öko-Branche in der Region bringt, und nicht nur einzelne davon profitieren.

Frage: An wen wenden sich Landwirte, Verarbeitungs- oder Handelsunternehmen, die am Projekt oder grundsätzlich einer regionalen Vermarktung von Bio-Produkten in OWL  interessiert sind?

Markus Rippin: Zentraler Ansprechpartner für die Unternehmen, die wie oben beschrieben, an Kooperationen, Auf- und Ausbau von Vermarktungsstrukturen in der Region interessiert sind und konkret mitarbeiten möchten, wenden sich vorrangig an

AgroMilagro research, Markus Rippin,
Auf der Tränke 17,
53332 Bornheim,
Tel.: 02222 - 978524,
Mobil: 0171 4216336,
Fax: 0321 21250950,
E-Mail: projekt@bioregio-owl.de

Anfragen und Anregungen hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Medien, Einkaufsbroschüre etc. wenden sich am besten an TK-SCRIPT, die auch über die o.g. Mailadresse erreichbar sind.

Wir danken für das Interview.

Dr. Karl Kempkens, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0228-703-1456, E-Mail: karl.kempkens@lwk.nrw.de

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Stand: 26.01.2012 00:00